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25. Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz

Vielfalt mit Zukunft – Entwicklung aus dem Bestand

29. August 2017 in der Welterbestadt Quedlinburg
30. August 2017 in Wolfsburg, Wernigerode, Halberstadt und der Welterbestadt Quedlinburg

Themenwerkstätten

Themenwerkstatt I | Wolfsburg: Bestandsorientiert

Die niedersächsische Großstadt Wolfsburg wurde 1938 als Arbeiterstadt der Volkswagenwerke gegründet. Grundlage hierfür war der von Peter Koller entworfene Gesamtbebauungsplan, der neben dem Bild der „Stadtlandschaft“ auch die Funktionstrennung als Leitbild des modernen Städtebaus aufgriff. Das Wohnquartier „Die Höfe“ war Bestandteil dieser Konzeption – ihr Leitbild der „Gartenstadt als Industriestadt“ ist noch heute im Gebäudebestand und den Freiraumstrukturen ables- und erlebbar. Dabei wird der städtebauliche Charakter der Höfe insbesondere durch den Kontrast zwischen dem parkähnlichen Baumbestand und der stringenten Gestaltung der Wohngebäude geprägt.

Im Jahr 2015 wurde das denkmalgeschützte Wohngebiet „Die Höfe“ in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Ein städtebaulicher Rahmenplan befindet sich derzeit in der Erarbeitung. Bis 2025 steht die Entwicklung des Wohnangebots und die Gestaltung der Straßen und Plätze im Quartier im Mittelpunkt.Insbesondere die Nähe zum Stadtzentrum bietet dafür großes Entwicklungspotenzial. Dabei steht die Stadt vor der Aufgabe, das Quartier unter Berücksichtigung des historischen Bestands an die heutigen Anforderungen des Wohnens anzupassen – die Berücksichtigung der denkmalgerechten Sanierung, historischer Planungen und des verträglichen Umgangs mit baulichen Ergänzungen sind Bestandteil des Prozesses.

In der Themenwerkstatt erfolgt ein Austausch zum Umgang mit der Architektur der 1930er Jahre, der behutsamen Anpassung der historischen Bausubstanz an heutige Wohnanforderungen und dem Spannungsfeld zwischen Erhalt und Weiterentwicklung des baulichen Bestands aus denkmalpflegerischer und stadtplanerischer Sicht.

Themenwerkstatt II | Wernigerode: Lebendig

Als „bunte Stadt am Harz“ wirbt Wernigerode für seine historische Altstadt, die sich durch einen gut erhaltenen historischen Gebäudebestand auszeichnet. Die von den Abrissen der Nachkriegszeit verschont gebliebenen, kleinteiligen Fachwerkgebäude machen den Charme des Harzer Städtchens aus – als eine Tourismusdestination Sachsen-Anhalts vibriert der historische Stadtkern vor Lebendigkeit und regem Treiben. Die unmittelbare Lage in der Nähe des Brockens sichert der Stadt zudem einen touristischen Standortvorteil. Zugleich hat sich die Altstadt als attraktiver Wohnstandort bewährt. Nur wenige der mit hoher Qualität sanierten Gebäude stehen leer. Die kleinteiligen Wohnungsgrundrisse bedürfen einer Anpassung an die heutigen Anforderungen der Bewohner.

Der Tourismus wirkt sich direkt und indirekt auf die Entwicklung der Altstadt aus – sowohl auf die historische Bausubstanz als auch auf den Stadtraum. So werden die historischen Fachwerkgebäude der Altstadt zunehmend zu Ferienwohnungen umgewandelt – ein Resultat der konstant anhaltenden touristischen Nachfrage. Daneben ist der Verkehr eine der zentralen Herausforderungen für Wernigerode: Eine Umfahrung der Altstadt lässt sich durch ihre nahe Lage direkt am Schlossberg nur schwer realisieren. Im Ergebnis gibt es Schleichverkehr und eine angespannte Stellplatzsituation.

Im Fokus der Themenwerkstatt steht der Austausch zur historischen Altstadt als multifunktionalem Stadtraum mit besonderer Lebensqualität. Auch die Verträglichkeit von Tourismus und historischem Baubestand sowie der Einfluss des Tourismus auf die Stadtentwicklung werden vertieft.

Themenwerkstatt III | Halberstadt: Kommunikativ

Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und die Vernachlässigung des historischen Bestands in der Nachkriegszeit haben zu einem hohen Verlust in der Halberstädter Altstadt geführt – mehr als 70 Prozent der historischen Fachwerkbauten gingen bis 1990 verloren. Umfassende Sanierungsmaßnahmen ermöglichten den Erhalt der verbliebenen mittelalterlichen Stadtstrukturen. Dennoch ist das Stadtbild durch viele Brachflächen gekennzeichnet.

Insbesondere die Judenstraße ist von den Verlusten geprägt – lange Zeit der Standort der größten jüdischen Gemeinde Mitteleuropas erfolgte bis 1990 der Teilabriss des Viertels. Angeregt durch eine Studentin der Landschaftsarchitektur wurde die Bürgerschaft des Viertels 2010 zum weiteren Umgang mit den Brachen in der Judenstraße befragt. Als unmittelbare Folge der IBA Stadtumbau im Jahr 2010 werden die Freiflächen des Quartiers den Bürgern seit 2012 kostenlos als Gärten verpachtet – dabei sind die Bürgergärten nur als Zwischennutzung angedacht. Mit Ende des Jahres 2017 werden die Flächen zur weiteren Vermarktung freigegeben. Die Bürgergärten sind Ausdruck des starken, bürgerschaftlichen Engagements der Halberstädter.

Ein Ort der Kommunikation, des Austausches und der Teilhabe ist schon seit einiger Zeit das Burchardikloster.Dessen Entwicklung wird das ehemalige Zisterzienserinnenkloster als Standort von Vereinen und Initiativen zusätzlich stärken. Zudem setzen die Studenten des seit 2004 direkt am Domplatz angesiedelten Fachbereichs Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz zu-nehmend belebende Akzente im Stadtraum.

In der Themenwerkstatt sollen Ansätze, Möglichkeiten und Chancen der Aktivierung und Mobilisierung von Bürgern, der Einfluss von studentischem Leben auf die Stadtentwicklung und deren langfristige Auswirkung auf das Stadtbild und die Stadtentwicklung betrachtet werden.

Themenwerkstatt IV | Quedlinburg: Prozessorientiert

Die Umsetzung einer städtebaulichen Gesamtmaßnahme erfordert einen roten Faden und sich in die kommunale Handlungsstrategie einfügende formelle und informelle Planungen und Konzepte. So ist die Welterbestadt Quedlinburg seit über 20 Jahren in der Stadtsanierung tätig. Entsprechende Grundlagen sind für eine erfolgreiche Stadtsanierung und die Pflege des UNESCO-Welterbes selbstverständlich. Der Welterbe-Managementplan, der denkmalpflegerische Rahmenplan und das integrierte Stadtentwicklungskonzept sind Grundlage aller städtebaulichen Maßnahmen. Andere Programmstädte können hingegen erst auf eine junge Programmgeschichte zurückblicken und müssen die für sie richtige Vorgehensweise noch entwickeln.

Bereits mit der Neuaufnahme von Programmgebieten werden mithilfe von Konzepten und Planungen die Weichen für eine erfolgreiche Programmumsetzung gestellt. Welche verfahrensrechtlichen Schritte darüber hinaus zu berücksichtigen sind und welche äußeren Faktoren die Entwicklung zusätzlich beeinflussen, wird im Rahmen der Gesprächsrunde vertieft.

In der Themenrunde sollen Mittel und Wege zur erfolgreichen Einbindung der Programmumsetzung in das kommunale Verwaltungshandeln sowie die geeigneten Instrumentarien, Planungen und Konzepte für eine erfolgreiche Programmumsetzung im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

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25. Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz
29. August 2017, Welterbestadt Quedlinburg